Oskar Berner

oskar passfotoOskar Berner Malerei, Grafik, Plastik
geboren 1948

 

 

 

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Ausstellungen seit 1981 – Auswahl

1981 Rathaus Pulheim – 1985 Chapelle Saint-Fiacre – 1987 Musée Nationale de Monaco – 1988 Städt. Galerie Wesseling – 1991 Simultanhalle Köln/ Museum Ludwig 1995 Galerie Skala Köln – 1997 Art Frankfurt (über Gal. Skala) – „5 Künstler in NRW“ (Bonn, Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes NRW 2000) KunstKöln 2000 (Galerie Skala) – ab 2005 Kunsträume bei Liebe-Glaube–Hoffnung, Agentur für Kommunikation und Design, Bad Godesberg – 2003 Kölner Stadtmuseum – 2007/2012 De Kopermolen und Gal. De Gau (Vaals b Aachen)

Oskar Berner (1948) sieht den Menschen häufig hinter Schleiern von Unerklärlichkeit und Geheimniswelten, die entweder im Alltag erlebt werden, in der historisch-politischen Gesellschafts-Welt enthalten sind oder in Form gewaltiger Ausbrüche von Gefühlen, in Pathosform daherkommen. Seine Bilder in der vielseitig experimentierenden Malweise werden immer wieder von Liebhabern und Sammlern als Erlebnis von Kostbarkeit und Erlesenheit gekennzeichnet.

Bilder der Ausstellung 

Oskar Berner hat die oben nummerierten Bilder ausgestellt, zusätzlich zu den oben in der Vorschau veröffentlichen  waren folgende Bilder in der Ausstellung zu besichtigen:

 Informationen und Kommentare aus dem Katalog zu Oskar Berner:

Oskar Berner ist Konzept- und Motivgeber für diese Ausstellung. Außer den hier gezeigten Ölgemälden wird er Grafiken von geballter Kraft ausstellen, die man von ihm gar nicht erwartet, weil seine Ambition Gemälde sind.

Seine Ausdrucksintensität, die er jetzt auch auf die Grafiken übertragen hat, kommt nicht von Ungefähr zustande. Er erkämpft sie sich geradezu kontinuierlich in seiner experimentierenden Arbeitsweise und schärft durch ständige Kommunikation mit Künstlern und im Alltag seinen Erlebnisfundus. Wo auch immer man Vergleiche ansetzen wollte für seine Bildwelt und sein Repertoire – Renaissance-Kunst, fotografische Spezifika, Ostasiatisches, Comicbezug oder Neue Sachlichkeit  – er ist nicht fassbar, und da beginnt schon das konzeptionell Rätselhafte, weil seine Außenerlebnisse alle eingeschmolzen sind in eine von ihm obsessiv verfolgte innere eigene Vision, die überall wieder zutage tritt.

Und die gibt  es nur bei Oskar Berner: Viele derartige Komponenten der Anonymität, der Pose oder Uniformierung der Menschen erlebt man in unserer Alltagswelt bei entsprechender Sensibilität täglich. Aber warum bedrängt er uns immer wieder mit diesen seltsamen Botschaften? Genau das ist das Rätsel, zu dem er verbal selbst auch keine Antwort geben kann. In einer modernen globalen Welt, in der vieles fragwürdig, sogar absurd geworden ist, kann der Einschnitt in die Bauchhöhle nur eine visionäre Sicht sein. Schon die Vokabeln, die ihm als Titelworte einfallen, zeigen das: „Seltsam“, „verletzt“, „Lieblingssünde“, „Flehen des Tigers“. Es sind alles Metaphern auf unsere aus den Fugen geratene emotionale Welt.

Das Faszinierende daran ist die delikate und gleichzeitig experimentierende Malweise, die eigentlich mehr in den Bann zieht als die unfassbaren Menschen und titelartigen Benennungen. Darin zeigt er Meisterhaftes, wie er auch immer wieder neue Sensationen erfindet, um seine Obsession in den Aufmerksamkeitspegel zu versetzen: Krakelur-Techniken, Teppich-Untergründe, Farbüberschwemmungen wie fotografische Farbstiche, manga-artige Stempelformen (Stencils) und ein imaginäres Zusammentreffen von Personen, die wie in unserer alltäglichen Handywelt jeden Bezug zum aktuell Realen des Miteinander verloren haben.

Dabei ist das alles nicht surreal-imaginär, sondern eine Pointierung des alltäglich Erlebbaren, von hoher malerisch gekonnter Ambition. Warum ist das zeitgenössischer Realismus, wenn seine  beziehungslosen, geradezu uniformierten Porträtköpfe aus zumindest historisch unfassbar vorgestellten Welten stammen? Es sind Verallgemeinerungen, destilliert aus Beobachtungen vieler individueller alltäglicher Situationen und keineswegs in historischen Kostümierungen oder Einordnungen denkbar. Deswegen kommen viele Aktelemente vor, die Kleidung ist eine allgemeine Körperbedeckung ohne Spezifika. Seine Figuren können auch keine situativen Regungen und Emotionen zeigen. Ein Lachen oder sonst wie fassbare Emotionalität kann in einer vor Augen geführten Welt von menschlicher Disparatheit, Auflösungsmomenten des Personalen (eigentlich von lat. personare – hindurchtönen) nicht relevant sein. Vielmehr ist es das Erfassen unserer täglichen, sogar an der eigenen medial, global oder technik-perfektionierten Disposition  erlebbaren überformten Natur, die er uns liefert. Ist das nicht realistisch, zu zeigen, was wir – jeder an sich selbst – täglich beobachten kann, aber was wir nicht eindeutig und präzise erfassen, noch weniger beherrschen können? Dies Oszillieren zwischen so vielen Aggregat-Zuständen, dass wir einem Künstler dankbar sein müssen, der das in ein Bild zwingen kann, dem wir nicht ausweichen können in historische Dimensionen, konventionelle Wunschziele oder individuelle Absetz-Bewegungen! Das ist der Mehrwert, der seine Bilder unterscheidet von den vielen mehr oder weniger gestalterisch modifizierten Fotografien, die heutzutage auch häufig – durchaus prägnant und bereichernd – den  zeitgenössischen Alltag bewusst machen.

Ekkehard Drefke                                                                                            1.5.2013

Alfons Biermann In:5 Künstler in NRW. Oskar Berner – Wolfgang Gödertz – Holger Hagedorn – Winfried Lucassen – Peter Valder

Eine Ausstellung im Ministerium f Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes NRW 29Januar bis 21. Februar 1997

Oskar Berner findet als Maler seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit für eine eher pessimistische Betrachtungsweise im Figurativen. Seine ex-pressiven und nahezu monochromen Arbeiten, in denen er sich in unverwechselbarer Weise über die Darstellung der Physis der psychischen Befindlichkeit annähert, sind ein wesentlicher und qualitativ hochwertiger Beitrag zur figurativen Kunst der Gegenwart. Er schildert ein Menschbild, das die Zerrissenheit und Ratlosigkeit des Individuums am Ende des Jahrhunderts spiegelt.

 

„Gesten des Menschen“ und „Jahreszeiten“. Vorbemerkungen zu einer Ausstellung in unserer Aachener „Werkstatt“, von Jürgen Tönsmann

Anliegen von Oskar Berner, der sein Talent im Zusammenwirken mit anderen Künstlern weiterentwickelte, ist es, das Seelenleben des Menschen nach außen zu tragen, es sichtbar werden zu lassen. Der Betrachter soll animiert werden, losgelöst von der Hektik und den Belastungen des Alltags, sich mit sich selbst zu befassen. Bei diesem „Seelen-Striptease“ werden Vergangenes und Gegenwärtiges gleichermaßen aufgearbeitet, wobei es durchaus vom Künstler gewollt ist, den vermeintlichen Seelenfrieden des Betrachters zu stören. Dieses Anliegen von  Oskar Berner deckt sich mit der heutigen Aufgabe von Kunst und Künstlern, sich mit der Gesellschaft und der Welt, in der sie lebt, positionsbezogen und wertend auseinanderzusetzen.

Im Mittelpunkt steht der Mensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts mit seinen Wünschen und Erfahrungen, aber auch mit seinen Sehnsüchten, Irrungen und Wirrungen, mit seinen inneren und äußeren Zwängen. Er vermittelt uns seine Eindrücke von zwischenmenschlichen Gefühlen, Ängsten und Beziehungen. So sind seine Bilder letztlich eine Aufforderung, sich selbst infrage stellen zu lassen.

Oskar Berner  Text von Susanne Bonenkamp

Es wäre verfehlt, Oskar Berner als Porträtisten zu bezeichnen. Zugegeben, seit Jahren setzt er sich mit Thema Mensch auseinander. Seine Bilder sind aber alles andere als „Menschenbilder“. Berner lässt sein Personal nicht vor der Staffelei geschweige vor seinem inneren Auge posieren. Ihn reizt der Moment, in dem die fiktive Figur – männlich oder weiblich, jung oder alt, schön oder hässlich – sich völlig unbeobachtet fühlt.

Es ist der Augenblick des absoluten Kontrollverlustes, den Berner auf der Leinwand festhält. Eben der Bruchteil der Sekunde, in dem man sich gehen lässt im jeweiligen emotionalen Kontext: Trauer und Wut, Mutlosigkeit und hoffendes um-sich-Blicken, Erschöpfung und in-sich-Ruhen, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Stichworte stehen hier ganz bewusst. Dem Maler geht es nicht um eine Typologie von Charakterköpfen á la Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783), der seine Studien in Anlehnung an Lavaters Sammellust unterschiedlicher Physiognomien in veristischer Manier in Büsten aus Blei und Bronze goss.

Berner geht es um das Ureigenste menschlichen Seins, wobei er nicht auf die Individualität realer Personen zurückgreift. Seine Abstraktionen verweisen über Einzelerfahrungen und –schicksale hinaus.

Die großformatigen Arbeiten wie auch kleinere Werke, die der Pulheimer oft zu Serien zusammenfasst, zeigen meist ein Antlitz, selten zwei oder drei. In eigenwilligen Kompositionen fügen sie sich zu einer bildlichen Einheit, die die Vereinzelung des Menschen unterstreichen. Ein Dialog und sei es nur ein Blickkontakt – auch mit dem Betrachter des Bildes – ist nicht gegeben. Selbst in größeren Tableaus, die Personengruppen quasi aus der Vogelperspektive beobachten, ist Verlassenheit und Einsamkeit des Individuums in der Gruppe oder in der Menge Thema Oskar Berners.

Das Verblüffende ist, Berner wertet nicht, er analysiert. Er kommentiert nicht, er sieht einfach hin, nicht weg. Er ist kein lamentierender Existenzialist, er stellt „nur“ fest. Die Frage der Deutung, die Forderung zur Stellungnahme ist Sache des Betrachters, nicht die eines parteiischen Künstlers. Er zeigt uns das Leben, mehr nicht. Trotz aller Emotionalität des Porträts, es ist die Sachlichkeit des Malers, der kühle Blick, der berührt.

Beispielhaft steht dafür eine Arbeit, die zwei Blickwinkel vereint, die eine in einem einzigen Moment ablaufende Situation schildert und die die normale Wahrnehmung so nie sehen könnte. Die eine Figur feuert einen Revolver ab, frontal auf den Betrachtenden, die andere gleichberechtigt auf dem Malgrund daneben gesetzte Figur zeigt die Person, der der Schuss gilt, sie erwartet die auf sie zurasende Kugel. Wir erfahren nichts über das Wieso und Warum. Neutralität ist das Prinzip. Wir sehen beide Perspektiven gleichzeitig, man möchte sagen „nackt“ oder „ungeschminkt“. Berner ist kein Moralist, er ist Analyst. Er bietet dem Betrachter keine Antworten. Wer diese will, muss sie sich selbst geben. So gesehen sind es keine Menschenbilder, die er uns zeigt, es sind Zustände unseres Seins sozusagen „Existenzbilder“.

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