Zum Projekt Rätsel Mensch

Ausstellung am Schwingeler Hof Wesseling vom 21.Juni – 21. Juli 2013

Dies Projekt ist entstanden bei der Suche nach Künstlerkollegen auf einem ähnlichen Weg, wie ich ihn gehe und nicht in der üblichen Konstellation von Gruppenausstellungen: Vereinszugehörigkeit, funktionale Künstlerzusammenschlüsse, langjährige Wegbegleitung usw. Beim Besuch von Ausstellungen von Oskar Berner und Andreas Noßmann vor zwei Jahren war ich elektrisiert von deren Beziehung zum Thema Mensch und der für mich exzeptionellen zeitgenössischen Behandlung in ihren Arbeiten. So kam spontan bei mir der Gedanke auf, die Vielschichtigkeit undAbgründigkeit des Themas „Mensch“ mit ihnen zusammen zu veranschaulichen. Ziggy Szalla hatte ich sowieso schon etwas früher für mich im Kunstverein Wesseling entdeckt. So konnte ich 4 unterschiedliche Positionen realistischer Darstellung des Menschen zusammenbringen, die ihr ganzes künstlerisches Leben schon damit obsessiv involviert waren, ihre Sicht des menschlichen Dramas als eigene Botschaft zu vermitteln.

Bei flüchtiger Wahrnehmung des Themas „Rätsel Mensch“ fallen einem meist die heutige Forschung nach den biologischen Gesetzen des menschlichen Lebens ein, vieles Ungeklärte aus der Weltkulturgeschichte , die Psychologie des Menschen oder sogar die Astrologie. Dass der Mensch in seinem Sozialverhalten und in alltäglich erlebten Merkwürdigkeiten immer wieder Rätsel aufgibt, ist nicht sofort naheliegend. Aber gerade das kann zum Focus eines Künstlers werden, zum visuellen Forscherdrang in vielen derartigen Erlebnisfeldern.

Allen vier hier vereinten Künstlern ging es das ganze Künstlerleben lang aus unterschiedlichen Perspektiven immer so, dass sie dies Rätselhafte, Unerklärliche, manchmal Unheimliche, manchmal Geheimnisvolle – alle Abweichungen von der glatten Konventionalität – in ihrem Blickfeld hatten. Es ging vor allem immer um das Figürliche, das Abbild des Menschen in unserem zeitgenössischen Alltag, mal angeregt durch Leonardo oder Michelangelo, ein anderes Mal von Goyas Caprichos oder Max Beckmanns Panoptikum der Menschengestalt im Weltenverlauf.

Oskar Berner sieht den Menschen häufig hinter Schleiern von Unerklärlichkeit und Geheimniswelten, die entweder im Alltag erlebt werden, in der historisch-politischen Gesellschafts-Welt enthalten sind oder in Form gewaltiger Ausbrüche von Gefühlen, in Pathosform daherkommen. Seine Bilder in der vielseitig experimentierenden Malweise werden immer wieder von Liebhabern und Sammlern als Erlebnis von Kostbarkeit und Erlesenheit gekennzeichnet.

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Andreas Noßmann ist auf fast allen Bühnen des Sich-Auslebens dieses seltsamen immer wieder Defizienten Wesens Mensch unterwegs. Dabei bleibt er nicht im Abschildern stehen, sondern zeigt die vielen Facetten in den Ritualen und Un-/Sitten des Zusammenlebens von der Kuriosität bis zum unheimlichen Nachtmahr, der den Menschen in Beschlag hält. Es ist eine Bildsprache, in der zwar Goya, A.P.Weber und Horst Janssen anklingen, aber in seiner spontanen Handschrift ist Nossmann unverwechselbar. Sein riesiges Oeuvre von über 5000 Arbeiten sprechen genauso für sich wie seine Markterfolge bei seinem schier unerschöpflichen Einfallsreichtum

acedia, d ignoranz 2011 4666 "Superbia - Der Übermut oder der Griff nach dem fahlen Stern"Bleistift , Farbstift, Aquarell, PastellWvz. 4710Format: 700 x 500 mmMai 2011   "Mein großer Quälgeist" Bleistift, Farbstift, AquarellWvz. 4765Format: 500 x 350 mmJanuar 2012   "Die große Generalität (frei n. Goyas Capricho No. 76)" Bleistift, Farbstift, AquarellWvz. 4800Format: 500 x 350 mmApril 2012

Bei Ziggy Szalla wird der Mensch im Alltagsleben oft in grotesker Übersteigerung gegeißelt, so wie es im Theaterspiel dramatisiert vorkommt, einer Welt, der sie ihr ganzes Leben verpflichtet bleibt. Dabei gibt es auch lebenspralle und –bejahende Figuren, die aber immer wieder in der Gefahr des Umkippens ins Lächerliche, satirisch Gemeinte oder Morbide sind. Wer die immer heiter gestimmte Künstlerin kennt, ist fasziniert von ihrer Fähigkeit, sich von Alpträumen und förmlich erschlagenden Alltagserlebnissen über diese Arbeiten befreien zu können, ein geradezu herkulisches, menschlich nachahmenswertes Vermögen.

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Ekkehard Drefkes Themen dominieren nicht so sehr pessimistisch gesehene Seiten der menschlichen Natur. Da er sich aber immer schon dem Sichtbarmachen der Freuden und Leiden des Menschen in allen Lebensphasen – mit dem immer wieder emotional Aufrührenden – verschrieben hat, sind von vornherein auch die Abgründe, Unglücksfälle und Unerklärlichkeiten des Mitmensch-lichen mit im Spiel in seiner besonderen Sichtweise auf die conditio humana, bei der ihm „nichts Menschliches fremd“ ist. Die Motive der letzten Jahre mit meist heiter und positiv gestimmten Figuren wandeln sich im neuen Ensemble zu Fragestellungen danach, was die Menschen innerlich bewegt, wie ihr nicht immer sofort erfassbares Verhalten zu verstehen sein könnte.

vignette drefke 2 Für das Geheimnisvolle und Unerklärliche wäre immer wieder die Titellosigkeit naheliegend. Denn die Darstellungen rühren nicht her aus dem Traum oder einer Jagd nach seltenen Merkwürdigkeiten in den dargestellten Figuren und Gruppenkonstellationen, sondern aus dem gelebten und dort beobachtbaren Alltag, jedermann eigentlich bekannt. Für Realisten allerdings, wozu sich alle vier Künstler bekennen, ist es aber auch berechtigt  – bei all immer wiederkehrender Hintergründigkeit –   diese Herkunft – aus dem vertrauten Alltag –  mit konkreten Titeln zu benennen. Dass dabei kein Textersatz entsteht, wird an den Arbeiten veranschaulicht, die sich vor allem auch dem soliden Handwerklichen verpflichtet fühlen, in sehr unterschiedlichen Handschriften verdichteter Farb-Formgebung und in Situationen von großer Bandbreite. Ob mit oder ohne Titel – es ergeben sich genügend ablesbare Details, die dazu anregen, sich der Tiefendimension und dem Differenzierteren im menschlichen Charakter zuzuwenden. Grundlage hierfür ist auch der Anspruch der Künstler –  bei aller vordergründigen Vertrautheit – etwas Lohnenswertes beispielartig angesichts der einen heute visuell überflutenden Informationsfülle – in einer jeweils ganz eigenen Bildsprache und Ästhetik aufgedeckt und entdeckt zu haben.

Text: Ekkkehard Drefke                                                                                          7.6. 2013

 

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